Leistungsnachweise und Lernzielkontrollen – „Noten“ ab Klasse 3

 

Lernzielkontrollen…

…sind kurze Abfragen (schriftlich, mündlich oder durch Auswertung von angefertigten Materialien, Protokollierung von Aktionen), die der Einordnung der Leistungen und der Ermittlung von Förder- und Forderschwerpunkten dienen.
Sie können in jedem Fach jederzeit – auch vorherige Ankündigung – individuell oder gruppenbezogen durchgeführt werden.
Sinnvollerweise schließen sie meist eher eine Übungsphase ab, als dass sie vorab den Leistungsstand erheben.
Eine Vorab-Erhebung dient in der Regel eher der Vorbereitung einer Lerneinheit.

Die Anzahl der schriftlichen Leistungsnachweise („Klassenarbeiten“) ist (nur) für die Fächer Deutsch und Mathematik fest vorgeschrieben:

Im Mathematikunterricht werden die Leistungen in den Teilbereichen Arithmetik, Sachrechnen und Größen, Geometrie und Wahrscheinlichkeit im ca. 1 1/2-Monatsrhythmus durch schriftliche Überprüfungen (Leistungsnachweise) abgeklärt: Es müssen pro Schuljahr 6 solcher Nachweise erstellt werden.

Im Deutschunterricht gliedern sich die 10 vorgeschriebenen Leistungsnachweise wie folgt:
– 3x Rechtschreiben (z. B. Aufgaben zum Regelverständnis, Diktat, Abschreibtext, Korrekturtext)
– 3x Texte Verfassen („Aufsatz“)
– 2x Leseverständnis (einen Text eigenständig leise lesen, Verständnisfragen dazu beantworten)
– 2x Sprache untersuchen (Aufgaben zu z. B. grammatikalischen Regeln, Wortarten, Konjugation, Zeiten)

Diese Leistungsnachweise werden mindestens 3 Tage – in der Regel eher eine Woche – im Voraus angekündigt.
Es werden niemals zwei Leistungsnachweise an einem Tag oder mehr als zwei pro Woche geschrieben.

Für die Fächer Sachunterricht, Religion, Musik und auch Sport können schriftliche Abfragen,
schriftliche und praktische Arbeiten und Aktionen gewertet werden. In der Regel erfolgen solche Erhebungen eher am Ende einer Themeneinheit. Eine Anzahl ist nicht vorgeschrieben. In der Regel ergeben sich daraus mindestens 2, eher 3 bis 4 gezielt erhobene Beurteilungen pro Fach und Halbjahr.

Noten objektiv und pädagogisch gewichtet – Mitarbeit und Lernverhalten

Bei bepunkteten Aufgaben bzw. Arbeiten gibt es keine Vorschriften, wohl aber Empfehlungen, nach denen eine Prozentrang-Zensuren-Zuordnung stattfinden kann. In der Regel wird empfohlen, dass die Aufgabenstellungen so zusammengestellt und bepunktet werden, dass ab ca. 50 Prozent der erreichbaren Gesamtpunkte die Leistungsbeurteilung „ausreichend“ getroffen wird, ab ca. 65%-75% mit „befriedigend“, ab ca. 80%-88% mit „gut “ und ab ca. 90%-97% mit „sehr gut“. Die genaue Abstufung trifft die Lehrkraft nach Art und Schwierigkeit und Streuung der Aufgabenzusammenstellung. Individuelle Aufgaben für einzelne Schüler oder Teilgruppen können auch anders gewichtet, bepunktet oder bewertet werden.

Desweiteren fließen auch die aktive Mitarbeit im Unterricht und die individuelle Entwicklung in die Beurteilungen ein, die zur Erstellung der Zeugnisse herangezogen werden. Eine rechnerische Ermittlung über die Noten findet nicht statt. Die Lehrkräfte können die unterschiedlichen Leistungsbeschreibungen und Zensuren auch angepasst auf den angetroffenen Lerntyp individuell gewichten.
Die Ergebnisse der landesweiten Untersuchung VERA fließen nicht in die Leistungsbeurteilung ein.

Bei den Leistungsbeschreibungen (z. B. im Zeugnis) ist zu bedenken, dass eine individuell positive dargestellte Entwicklung dennoch im Bezug auf das allgemein für die besuchte Klassenstufe und deren festgelegte Unterrichtsziele nicht ausreichend erscheinen kann. D. h. die Beschreibung der Leistungsentwicklung schildert möglicherweise merkliche individuelle Fortschritte, die evtl. dennoch für ein erfolgreiches Mitarbeiten nicht die notwendige Basis erwarten lassen.

Macht also z.B. ein Schüler bei der Arithmetik im Zahlenraum bis 100 deutliche Fortschritte, so wäre das für die Klassenstufe 2 angemessen.
Da in der Klassenstufe 3 jedoch der Zahlenraum bis 1000 erschlossen wird, fiele trotz positiver individueller Lernentwicklung möglicherweise die Leistungsbeurteilung im Bezug auf die zu erreichenden Lernziele für den angenommenen Fall „nicht ausreichend“ aus. Eine intensive Beratung und klärende Absprachen zwischen Elternhaus und Schule über die Einschätzung der Leistungen und eventuellen Förderbedarf sind deshalb unerlässlich.

Ausdrücklich können auch individuelle Gewichtungen und Schwerpunkte als motivationale oder anderweitig begründete Maßnahmen festgelegt werden: Ein auffälliger Lernfortschritt nach „kritischer Phase“ kann z. B. losgelöst vom objektiven, ermittelten Leistungsstand besonders positiv gewürdigt werden.

Notenschluss: gibt es nicht!

„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, sagte einmal der bekannte Fußballtrainer Sepp Herberger.
Was nach einem Zeugniskonferenztermin passiert, kann sehr wohl noch in die Beurteilung einfließen – zumindest in die des Folgehalbjahres. Beim Jahres- oder Abschlusszeugnis können Beratungen und Beurteilungen, die im Rahmen einer Konferenz erörtert wurden, im äußerst kritischen Fall auch noch in einer klärenden Nachbesprechung „kurzfristig“ angepasst werden. Der Begriff „Notenschluss“ bezieht sich also eher auf Beurteilungsverfahren, die in der Oberstufe (MSS, also in den Klassenstufen 11 bis 13) angewendet werden, nicht aber in dieser Form in der Grundschule.

Noten sind keine rechnerischen Durchschnitte

Was in der Oberstufe oder im Studium gelten mag, ist ausdrücklich nicht für die Grundschule vorgesehen: Beurteilungen (z. B. Zensuren von Leistungsnachweisen) können unterschiedlich stark gewichtet und auch auf einzelne Schüler individuell angepasst in die Gesamtbeurteilung einfließen. Was in der weiterführenden Schule mir dem Begriff Epochalnote bezeichnet wird, umschreibt das Engagement der Schüler im laufenden Unterricht inklusive der „sonstigen“ Leistungen, wie auch z. B. der Hausaufgaben. Da in der Grundschule in der 3. und 4. Klassenstufe z. B. „nur“ 6 Leistungsnachweise in Mathematik vorgesehen sind, wäre es vollkommen falsch, einem Schüler mit Prüfungsangst oder mit „Noten-Ausrutschern“ (z. B. nach Krankheit) eine Gesamtbeurteilung nach Durchschnitt der Noten zu berechnen. Die Zeugnisnote kann also durch unterschiedliche Gewichtung aller eingebrachter Leistungen anders festgelegt werden, als der rechnerische Durchschnitt der Zensuren der Leistungsnachweise oder „Tests“ es nahelegt. Beratende Gespräche, die insbesondere zu den Halbjahresterminen pflichtgemäß stattfinden, sollen den Gesamteindruck und die Entwicklungsmöglichkeiten erklären. Die Entscheidung über die Art der Leistungsnachweise und die Gewichtung der Einzelbeurteilungen trifft die Lehrkraft.
(Siehe auch Grundschulordnung §33 Abs. 1-3)